Bitte Thema auswählen:

Organisatorische Bewältigung des Flüchtlingsandrangs

Organisatorische Bewältigung des Flüchtlingsandrangs:

Einsatz von Ruhestandsbeamten droht Flop zu werden!

München, 4. September 2015 – Für Rainer Nachtigall, stellvertretender Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), zeichnet es sich ab, dass der eigentlich gut gemeinte Einsatz von Ruhestandsbeamten zur organisatorischen Bewältigung des Flüchtlingsandrangs ein Flop wird. Nach Erkenntnissen der DPolG springen Interessierte nach den Informationsveranstaltungen ab.

Die „Ex-Kolleginnen und Kollegen“ hatten die Vorstellung, Verwendungsmöglichkeit mit Bezug zur früheren polizeilichen Tätigkeit zu finden und wollten „ihre“ aktiven Kolleginnen und Kollegen entlasten. Dies ist aber von der Staatsregierung gar nicht vorgesehen. Stattdessen wird allen interessierten Ruheständlern eine Tätigkeit als Daten-Erfassungskraft am Sitz der Bezirksregierungen angeboten. „Dieses Angebot ohne Bezug zum früheren Beruf und zumeist nicht in Wohnortnähe schreckt viele Pensionisten ab“, ist sich Nachtigall sicher.

Die DPolG hatte die Initiative begrüßt, da jede helfende Hand eine tatsächliche Entlastung für die stark unter Druck stehenden Polizeibeamtinnen und –beamten dargestellt hätte. „Gut gemeint ist halt noch lange nicht gut gemacht“, so Nachtigall.

Damit bleibt es bei der extrem hohen Belastung für die Kolleginnen und Kollegen, die sich zwischenzeitlich von der Grenzregion ins Landesinnere fortsetzt. Durch die teils kurzfristige Zuweisung von Flüchtlingen in die Kommunen greifen Bürgermeister zum Telefon und bitten ihre örtliche Polizeiinspektion um Unterstützung. Damit ist in Kürze nahezu jede Polizeiinspektion in Bayern gefordert.

Angesichts des vorhandenen Personalfehls in der Bayerischen Polizei war es schon schwer, die alltägliche Polizeiarbeit und damit die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten. Für die aktuelle Belastung ist die Bayer. Polizei personell nicht gerüstet. „Dass es so läuft, wie es läuft, ist ausschließlich dem hohen Engagement der Kolleginnen und Kollegen zu verdanken, die in vielen Fällen über ihre eigenen Grenzen hinausgehen“, weiß Nachtigall aus verschiedensten Gesprächen. „Den politischen Verantwortlichen muss aber klar sein, dass auf Dauer nicht gut gehen kann.“

„Beim G7-Gipfel wurde ein „Freeze-Zeitraum“ realisiert, in der so manches an Alltagsarbeit dem G7-Gipfel untergeordnet wurde. Warum nicht auch jetzt? Der Alltagsbetrieb scheint weiterzulaufen. Die Kolleginnen und Kollegen haben beispielsweise noch nicht einmal alle einen dienstlichen Zugang zum Internet aber es ist scheinbar Zeit in den Verbänden darüber zu diskutieren, ob unter freiwilligem Verzicht auf Grundrechte das private Surfen im Internet oder das Versenden privater Emails über dienstliche Accounts zugelassen werden sollen.“

„Dass die gesamte Landespolizei betreffende und sie in weiten Teilen verändernde Projekt der Pilotierung von Arbeitszeitmodellen in den Polizeidienststellen wird weiter vorangetrieben, so als ob man keine anderen Sorgen vor Ort hätte. Wer die Akzeptanz der Kolleginnen und Kollegen bei den Veränderungen in der Arbeitszeit nicht aufs Spiel setzen will, der sollte sich fragen, ob jetzt der richtige Zeitpunkt für ein solches Mammutprojekt ist“ so Nachtigall abschließend.