Polizei - Staatsdiener, Freund und Helfer oder „Prügelknabe der Nation“?

Anlässlich des traurigen Ereignisses, welches sich am gestrigen Tage in Georgensmünd ereignet hat, sehen wir uns dazu verpflichtet einmal ganz offen die Frage zu stellen, welchen Stellenwert der Polizeibeamte in der heutigen Gesellschaft hat. Handelt es sich hierbei um den Staatsdiener, den Freund und Helfer oder um den „Prügelknaben der Nation“?

Immer wieder werden Stimmen laut, dass die Beschäftigten der Polizei zu viel verdienen, zu viele Vergünstigungen erhalten und sogar in manch einem Bundesland, dass die Polizei ohne Schusswaffe zu den Einsätzen fahren sollte. Manch einer ist der Meinung, wir wirken zu martialisch, hätten zu viele Befugnisse und setzen nur auf Grund persönlicher Befindlichkeiten manch eine Maßnahme durch.

Doch ist das die Realität? Für die knapp 41.000 Beschäftigten der Bayerischen Polizei schaut die Wirklichkeit oft anders aus als gedacht.

Die Gewalt gegen Beschäftigte im Öffentlichen Dienst steigt stetig an. Nicht nur quantitativ, sondern vor allem qualitativ. Wo sich manch einer früher mit den Fäusten gewehrt hat, werden heute Schlagringe, Messer oder sogar Schusswaffen eingesetzt um der Maßnahme der Polizei nicht Folge leisten zu müssen.

Kann das noch ein Beruf sein, der erfüllend ist? Natürlich, jeder, der sich für den Beruf des Polizeibeamten entscheidet, kennt die Gefahren, die auf ihn zu kommen. Aber rechnen wir wirklich jeden Tag damit, nicht mehr gesund zu unseren Familien und Freunden nach Hause zu kommen. Und vor allem, ist es gerechtfertigt, mit solchen Begebenheiten rechnen zu müssen?

Sieht man sich einmal das Landeslagebild bezüglich Gewalt gegen Polizeibeamte in Bayern an, so muss man feststellen, dass allein in den Jahren 2014 und 2015 insgesamt sechs Mordversuche gegen Polizeibeamte stattgefunden haben. Die Körperverletzungsdelikte stiegen um 12,1 % an. Die Anzahl der Gefährlichen Körperverletzung, also der Angriff in der Gruppe oder mit einer Waffe, stieg um 12,9 %.

Insgesamt fanden die verschiedensten Delikte, von Beleidigung bis Mord einen Anstieg von 3,1 %, allein von 2014 bis 2015.

Auf das Thema bezogen, dass in anderen Bundesländern teilweise gefordert wird, Polizeibeamte ohne Waffen zu Einsätzen zu schicken, können wir nur Folgendes sagen: Zum Glück kam diese wahnwitzige Forderung in Bayern noch nicht zu Tage und wird sie auch hoffentlich nie. Wir sind an unseren Waffen ausgebildet. Wir wissen, wie man eine Waffe verantwortungsvoll handhabt. Bezogen auf eine Statistik vom Bayerischen Landeskriminalamt, kamen in Folge des Schusswaffengebrauchs durch Polizeibeamte in den letzten 10 Jahren insgesamt 15 Personen zu Tode. Davon nicht ein einziger Unbeteiligter. In ganzen 10 Jahren wurde eine Person durch eine Schussabgabe verletzt, die nicht hätte passieren dürfen.

Rechtfertigen solche Zahlen tatsächlich, daran zu zweifeln, dass Polizeibeamte verlässlich und verantwortungsvoll mit ihrer Waffe umgehen?

Natürlich wird zur Durchsetzung rechtmäßiger Maßnahmen auch in Bayern ein Zwangsmittel angedroht. Im Jahr 2015 wurde dies genau in 7728 Fällen getan. 221 Mal blieb es bei der Androhung. Nur insgesamt acht Mal wurde hierbei die Schusswaffe eingesetzt.

Die meisten Bürgerinnen und Bürger können sich wahrscheinlich nicht vorstellen, wie stressig und schwierig es manchmal ist, den Beruf des Polizeibeamten auszuüben. Auch bei den kleinsten Sachverhalten muss man stets wachsam sein, um einen unvorhersehbaren Angriff abwehren zu können. Situationen schaukeln sich aus dem Nichts hoch. Und dann? Man verhält sich rechtskonform und am Ende wird man doch angezeigt, ein Video erscheint irgendwo im Internet und alle Rechtmäßigkeit ist auf einmal vergessen.

Wird einem Polizeibeamten eine Straftat vorgeworfen, neigen leider viele Außenstehende dazu, ihn oder sie gleich zu verurteilen. Aber gilt nicht auch für uns die Unschuldsvermutung, bis das Gegenteil bewiesen ist?

Haben Sie sich schon einmal überlegt, wie es ist, bei Demonstrationen zwischen den Stühlen zu sitzen? Eine Linie zu bilden, um das Grundrecht der einen zu verteidigen und sich gleichzeitig vor der anderen Seite zu schützen? Kann sich jemand vorstellen, wie man sich fühlt, wenn man nicht weiß, was heute auf einen zukommt?

Wir wollen nicht, dass dieser Artikel falsch verstanden wird. Wir alle lieben unseren Job und machen ihn gern. Jedoch ist es unsere Pflicht darauf hinzuweisen, dass sich einige Dinge ändern müssen. In den nächsten Jahren scheidet auf Grund der Pensionierungswelle immer mehr Personal aus. Die Bezahlung steigt im Gegensatz zur Inflation nur spärlich und ein Teil der Ausrüstung ist immer noch verbesserungswürdig. Wir wollen mit diesem Artikel darauf aufmerksam machen, dass auch hinter jedem von uns eine Person steckt, die eine Familie, Freunde und Hobbies hat. Und trotzdem halten wir Tag für Tag den Kopf hin, um das Schlimmste zu verhindern. Manche von uns müssen für die Ausübung ihres Berufs sogar ihr Leben opfern…

JUNGE POLIZEI Bayern

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